Dresdner Stadtpfeifer

Alte Musik für neue Ohren

Der Stadtpfeiffer zu Dresdenn Ordnung


Erstlich sollen sie den Thurm an der heiligen Creuz-Kirchen mit Wachen und blasen auf vier Stimmen frue im Sommer umb drey und Winters Zeit umb vier Uhr, zu Mittage aber alzeit umb zehen, und des Abends im Sommer umb fünf und winters Zeit umb vier versorgen.Der Stadtpfeiffer und Meister soll sich jederzeit uf guthe tüchtige Gesellen, die der Musica wohl erfahren und geuebet, von deren er sich zur Wache mit gebrauchen könne, befleißigen.Alle Stunden Tags und Nachts so bald der Seyger ufm Schloß geschlagen, den Seyger ufm Thurm ufziehen, und der Zahl nach auch schlagen lassen, und daruf die Stundt wie bishero bräuchlich gehalten, melden. Und sonderlich soll dem Stadtpfeiffer und seinen Gesellen ernstlich befohlen sein, an welchen die Wache, welche sie untereinander ausmachen und halten sollen, das derselbe, es sey Tag oder Nachts, sich nüchtern und gute Wache halte. Sich mit viel Fleiß vom Thurm auf alle Viertel der Stadt umsehe, und da Feuer gespueret und sichtiglich aufginge, welche Gott der Allmechtige gnediglich verhueten wolle, dass er am Tage die Fahnen, und des Nachts die Leuchte oder Laterne so darzu gemacht und geordnet, außhenge. Und den Leuten so darnach fragen möchten an welchen Ort es wäre, guten und richtigen Bescheidt geben.

Zum anderen sollen sie ohne sonderliche Erlaubung Eines E.Raths aus der Stadt nicht ziehen. Und wann sie Erlaubniß erlangen, den Thurm mit einem geschworenen Bürger also bestellen, dass den vorhergehenden Artickeln in allen Puncten bis auf das vierstimmige blasen gute Genuege geschehe, jedoch das meldende blasen wenigstens durch ihrer Zwene verrichtet werde. Wenn sie daheim sein und in der Stadt denen vom Adel oder andern dienen und sich gebrauchen lassen, sollen sie bey Vermeidung einer Straf die geordneten Stunden mit dem vierstimmigen blasen einhalten.

Zum Dritten. Wenn man in der Kirchen an Festen, die Sonntage, auch Hochzeiten oder sonstigen, sollen sie den Chor mit ihren Instrumenten auch mit stärken helfen.

Zum vierten, sollen sie den Bürgern, welche ihrer zu hochzeitlichen oder anderen ehrlichen Freuden begehren werden, dienen und umb eine gleichmäßige Belohnung sich gebrauchen lassen. Jedoch sollen sie für ein jedes Instrument nicht mehre denn 20 Groschen fordern und nehmen. Und werend der gantzen Hochzeit nur zweymal die Teller aufwerffen.

Jedoch sollen sie auf hochzeitlichen Tagen vier- oder fünfstimmig im Kirchgange zu blasen den Unterschied halten, dass es nicht jedermänniglich, sondern nur ansehnlichen Leuten geschehe.

Mit ihrem Gesinde, samt eines Jungen, welcher die Instrumente wartet, sollen sie sich niemandts beschwehren noch verdrießlich sein, und auf solcher Wirtschafft sollen sie nach Gelegenheit von dem der die Wirtschafft ausrichtet, als Mahlzeit drey Gerichte erwarten. Und sollen ihm gleichwol mit Trummel und Pfeiffen und Instrumenten wie angezeigt, und man von ihnen begehren werde, dienen.

Zum Siebenten. Welcher unter ihnen sich gegen dem andern mit Worten oder der That ungebuerlich erzeigen und verhalten wird, der soll von dem Rathe in ernstliche unnachläßliche Straf genommen werden. Es soll auch der Stadtpfeiffer und Meister fleißige Aufacht haben, dass an den Gebäuden uf dem Thurm mit Holz hauen uff den Schwellen noch sonsten kein Schade geschehe. Und da einiger Schade oder Gefahr an Gebäuden sich ereignen werde, soll er dasselbige einem E. Rath anzuzeigen schuldig sein. Darnach sie sich zu richten und für Schaden zu hüten wissen werde.Zu Urkundt mit der Stadt kleinem Insigel besiegelt

Actus Dresdenn, den 1.Juny Anno 1606.

 

 

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Dresdner Stadtpfeifer im 21. Jahrhundert

 

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