Dresdner Stadtpfeifer

Alte Musik für neue Ohren

Die sächsischen Musikantenartikel von 1653

 

Kayserliche CONFIRMATION

der Artickel dess Instrumental-Musicalischen Collegii in dem Ober- und Nieder-Sächsischen Creiss, und anderer interessirten Oerter.

 

Wir Ferdinand der Dritte, von Gottes Gnaden, Erwehlter Röm. Kayser, . . . bekennen öffentlich mit diesem Briefe, und thun kund allemiänniglich, wie dass Vns unsere und des Reichs liebe Getreue, Gesamte in denen Ober- und Nieder-Sächsischen Creissen gesessene Musicanten, im glaubwürdigen Schein unterthänigst fürbringen lassen, gewisse unter Ihnen insgesampt verglichene Artickel, wie man sich in einem und dem andern, sowohl in denen Kirchen beym Gottesdienst, als andern ehrlichen Zusammenkunfften zu verhalten, allermassen solche von Wort zu Wort hernach geschrieben stehen | und also lauten:

IM Namen der Heiligen und Hochgelobten Dreyfaltigkeit, Gottes des Vaters, Sohnes und heiligen Geistes, Amen. Kund vnd zu wissen sey hiermit iedermänniglichen, dass dem Allerhöchsten GOTT zu Ehren, dem gemeinen Wesen zum besten, und allen der Musicalischen Kunst Zugethanen selbst eigenen Auffnehmen und Gedeyen, zwischen untenbenannten Musicis ein Collegium oder Societät, biss auff Allergnädigste Approbation des Allerdurchlauchtigsten und Vnüberwindlichsten Fürsten und Herrn, Herrn FERDINANDI des Dritten, erwehlten Römischen Kaysers, .... bewilliget, beschlossen und zu desto besserer Handhabung desselben nachfolgende Artickel von allen Interessenten beliebet vnd verfasset worden:

 

Es soll Erstlichen keiner von dem Musicalischen Collegio sich aus freyen Stücken seiner Kunst zu gebrauchen in einer Stadt, Ambt oder Closter, woselbst allbereit unserer Societät einer gesessen und in Bestallung genommen, niederlassen, noch demselben darinn von Vffwartungen ichtwas entwenden, es wäre denn Sache, dass er sich einer andern Handthierung gebrauchen, oder dass er von der Oberkeit des Orts dahin vociret, der allbereit bestallte Musicus auch versichert würde, dass ihm an seinen Accidentien kein Eintrag geschehen, oder er zum wenigsten des Abgangs halben schadloss gehalten werden möchte.

Es soll sich ein iedweder Sodalis zum Andern dahin befleissigen, wann er in würckliche Bestallung irgendwo genommen ward, dass das seinem Vorfahren hiebevorn ex publico gereichte Jährliche Lohn unverkürtzet und ungeschmälert verbleibe, Vnd weil biss daher die löbliche Kunst, und derselben Zugethane, dadurch nicht in geringe Verachtung gerathen, auch mancher ehrlicher Mann von seinem Dienste darüber gar verdrungen worden, wann iemands umb die blossen Accidentia auffzuwarten sich offeriret, so soll sich ein iedweder Musicant für dergleichen ihm und der Kunst verkleinerlichen Contracten eusserst hüten.

Indem auch zum Dritten der Allerhöchste GOTT seine Gnade und Gaben wunderlich pfleget auszutheilen, und einem bald viel, bald wenig giebet und verleyhet. So soll umb des willen niemand den andern, ob er gleich eine bessere Art der musicalischen Instrumenten sich zu gebrauchen hätte, verachten, vielweniger aber desshalben ruhmrethig seyn, sondern sich der Christlichen Liebe und Sanfftmut befleissigen, und mit seiner Kunst also umbgehen, dass dadurch förderst Gottes des Allerhöchsten Ehre gesucht, sein Nechster erbauet, vnd er selbst von iedermänniglichen seines Erbaren Wandels halber ein gutes Gerücht iederzeit haben und behalten möge.

Damit auch zum Vierdten ieder Ort mit einem tüchtigen genugsam qualificirten Musico versehen, benebens dem auch andere, insonderheit die Gesellen und Lehrknaben, zu mehrern Fleiss und stetigem Exercitio angetrieben werden mögen, So soll iedesmals der jenige, so zu einem Dienst ordentlicher Weise beruffen, und dannenhero seine probe abzulegen erfordert wird, Zweene der nechstgesessenen Lehrmeister, nebenst einem tüchtigen Gesellen, darzu beschreiben, welche ihn absonderlich seiner Kunst halber examiniren, und seine Probe oder Meister-Recht in den Stücken, so hierzu angeleget, und in den Innungs-Laden befindlich, anhören und vernehmen.

Es soll zum Fünfften keiner, er sey gleich Lehrmeister, Geselle oder Lehrknabe, sich gelüsten lassen, grobe Zothen oder schandbare, unzüchtige Lieder und Gesänge zu singen oder zu musiciren, Sintemal der Allerhöchste Gott dadurch nur höchlich erzürnet, erbare Gemüther, insonderheit die unschuldige Jugend geärgert, auch die jenigen, so der löblichen Kunst der Music zugethan, bey ansehnlichen Gesellschaften und Zusammenkunfften in die gröste Verachtung darüber gesetzet werden.

Hingegen aber soll zum Sechsten ein iedweder, der zur Auffwartung beruffen wird, nicht alleine für sich selbst, nebenst den bey sich habenden Gehülffen, züchtig, erbar und bescheiden sich verhalten, sondern auch unverdrossen seyn, die anwesenden Gesellschaften, vermittelst der Musicae Instrumentalis & Vocalis seinem besten Vermögen nach zu erlustigen und zu erfreuen.

Ein iedweder soll sich, zum Siebenden, so viel ihme möglich, mit besonderm Fleiss darnach umbsehen, dass er fromme und getreue Gesellen, wie auch unberüchtigte Lehrknaben, umb und neben sich habe, damit auff öffentlichen Zusammenkunfften und Auffwartungen den eingeladenen Gästen nichts entfernet, oder dem gesampten Musicalischen Collegio übel nachgeredet, noch auch unschuldige Leute in Verdacht und Gefahr gerathen.

Zum Achten soll keiner sich unterfangen, unehrliche Instrumenta, als da seyn Sackspfeiffen, Schaaffsböcke, Leyern und Triangeln, welcher sich offtermals die Bettler zum samlen der Almosen für den Thüren gebrauchen, zu führen, dadurch dann die Kunst ebenfalls in Verachtung gebracht und verkleinert gehalten wird.

In specie soll sich, zum Neundten, ein iedweder aller Gotteslästerlichen Reden, vermaledeyeten Fluchens und Schwerens eusserst enthalten: Würde aber iemand darwider handeln, so soll er darumb von seinem Meister und Mitgesellen, nach ihrem Ermessen, auch atrocität seines Verbrechens, willkürlichen gestraffet: auch wol gar aus dem Musicalischen Collegio verstossen werden.

Zum Zehenden soll keiner bey Gaucklern, Diebhenckern, Bütlern, Heschern, Taschenspielern, Spitzbuben, oder andern dergleichen leichten Gesindlein, sich einiger Auffwartung unterfangen, sondern es soll vielmehr ein iedweder ihrer Gesellschafft, umb Erhaltung guten Gerüchts und Leymuts willen, sich gantz und gar enthalten, und dieselbe fliehen und meiden.

Zum Eilfften, Gleicher gestalt soll auch kein Lehrmeister einen Lehrknaben von obgemeldten oder andern unrichtigen Personen, annehmen, sondern die jenigen, so zu Begreiffung der Musicalischen Kunst auffgedinget werden, sollen nicht allein von ehrlicher Geburt seyn, sondern auch für sich selbsten nichts verbrochen haben, wodurch sie Infamiam Iuris contrahirt, und auff sich gezogen, Gestalt dann bey der Aufdingung ein ieder Lehrknabe seinen Geburtsbrieff, so nach Verordnung der Rechte und Aydlicher Ausssage zweyer unbeleumbder Gezeugen verfasset, vorzeigen, und derselbe so lange in des Musicalischen Collegii nechster Lade verwahrlich beygeleget werden soll, biss er seine Lehr Jahre ehrlich und redlich ausgestanden, und desswegen mit einem guten Gezeugnis und Lehrbrieff versehen werden kann.

Zum Zwölfften, Vnd nachdem ein perfecter Musicant auff vielen Instrumenten, theils pneumaticis, theils pulsatilibus, unterwiesen werden, und darauff auch geübet sein muss, so soll kein Lehrknabe unter Fünff Jahren frey gesprochen, und dass er seiner Kunst erfahren, für tüchtig erkennet werden. Hierumb so sollen bey der Auffdingung iederzeit zweene der nechst-angesessenen Kunst- und Lehrmeister, ingleichen ein tüchtiger Gesell gegenwärtig seyn, und in der Anwesenheit zwey Exemplar dess Auffdingbrieffs (davon das eine dem, wessen Disciplin und Information der Lehrknabe untergeben wird, verbleiben, das andere aber des Lehrknabens Eltern, Vormündern oder Verwandten auszuantworten) gefertiget. Insonderheit aber hierbey der Lehrknabe zu fleissigem Gebet, getreulicher Auffdingung, fleissiger Vbung, und dass er seinem Magistro und Lehrmeister allen gebührenden Respect und Gehorsam erweise, ernstlich und mit allem Fleiss erinnert und anermahnet werde.

Zum Dreyzehenden, Damit auch der jenige, so seine Lehr-Jahre ausgestanden, und desswegen nunmehr frey gesprochen, desto vollkommener werde, so soll er die nechsten drey Jahre, ehe er sich besetzet, bey andern berühmten Meistern, als ein Gesell, sich gebrauchen lassen. Dieweil aber bey dem Mechanicis Artificiis, oder schlechtem Handwerckern, die Meisters-Söhne und Töchter hierunter durch langwierige Gewonheit diesen Vorthel und Fürzug erlanget, dass sie etwa nicht so lange als andere der Wanderschafft in ihrem Gesellenstande obliegen dürffen. So sollen auch dieser löblichen Kunst Zugethaner und Verwandter Lehrmeisters ihre Söhne, item, die jenige, so sich an der Meister ihre Töchter verheyrathen, wann sie ein Jahr als Gesellen auffgewartet, in dem Vbrigen verschonet, auch mit einigem Meister-Recht nicht beleget werden.

Zum Vierzehenden, Sobald dann iemands seine Lehr-Jahre überstanden, und ietzo nunmehr für einen Gesellen auffwarten kan. So sollen ihme so dann etliche Artickel fürgelegt und bekand gemacht werden, derer er sich, wann er an frembde Oerter kömpt, bey Ablegung seines Grusses gebrauchen, und hieraus auch der frembde Meister erkennen könne und möge, ob sich unsers Musicalischen Collegii Verwandte und Zugethane den fürgeschriebenen Artickeln gemäss verhalten, und darumb genügsame Wissenschaft tragen.

Zum Funffzehenden, Vnd nach dem dieses der Musicanten Collegium zu dem Ende auffgerichtet, und mit besondern Artickeln und Regeln befestiget worden, damit den Stöhrern und Pfuschern, so bey allen andern viel schlechtern Corporibus, Gablen, Gülten und Zunfften durchaus nicht gelitten werden, gewehret, und wer Lust vnd Liebe zu dieser Musicalischen hochwerthen Kunst traget, dieselbe aus dem Grund zu lernen, desto mehr angetrieben und anermahnet werde. So sollen alle und iede unsers Collegii Verwandte, sich der Pfuscher vnd Stöhrer gäntzlichen entschlagen, und bey erforderter Auffwartung mit ihnen überall keine Gemeinschafft haben, dargegen aber in ihren Lehr-Jahren der Zeit wohl warnehmen, damit sie in der Music recht tüchtig und geschickt gemacht, vnd darumb solchen Stümplern vnd Hümplern mit Recht praeferiret und vorgezogen werden können.

Zum Sechzehenden, Daferne sich zwischen denen Collegen oder deren Verwandten eintziger Zwischt und Streit zutragen solte, worüber iemands an seinem ehrlichen Namen vnd guten Leymut verkleinerlich angegriffen oder sonsten unverschuldeter Weise in Schaden gesetzet, oder auch ihme seine Vffkunfften entzogen werden wolten, So soll der Beleidigte Macht haben, solches Sechs in der Nähe gesessenen Lehrmeistern zu verkündigen, die dann zur gelegenen Zeit vor die Creiss-Laden beyde Theile erfordern, ihre Misshelligkeiten daselbsten anhören und vernehmen, und mit Zuziehung dreyer Gesellen den befundenen schuldigen Theil, es sey Kläger oder Beklagter, zu gebührender Straffe ziehen, auch ihnen zu Ersetzung aller verursachten Vnkosten anhalten mögen.

Zum Siebenzehenden, Was den Lohn der Gesellen anbelanget, so soll einem ieden frey stehen, mit denenselben iedes Orts vnd Gelegenheit nach zu handeln, wie er vermeynet, dass es verantwortlich. Jedoch nach abgehandeltem Wercke stracks die Handlung zu Papier bringen, vnd wie sie accordiret, ein ieder ein Theil in seine Verwahrung nehmen, damit einer dem andern zu bezahlen, vnd dieser wiederumb willig und getreulich zu dienen angeleitet werde: und fein friedlich mit einander zu leben Vrsach haben mögen.

Zum Achtzehenden, Da auch einer sich wolte unterfangen, einem alten Meister unserer Kunst von seinem Dienste, auff was Masse und Weise, durch was gebrauchten Schein und praetext es auch immer geschehen möchte, zu bringen, sich aber in dessen Stelle einzuflechten, so soll so wohl der jenige, so durch oberzählte unanständige Wege seine Beförderung suchet, und einen andern aussticht, nebenst seinen Gesellen, so bey ihme dienen würden, dieses unsers Collegii sich darmit verlustig macht, und darinne weiter nicht gedultet werden, sintemal das liebe Alter, wenn die Vnvermögenheit mit einfällt, ungeacht der vorigen gehabten langwierigen grossen Mühe, Dienst und Arbeit, leicht in Verachtung zu gerathen, und demselben die Jugend vorgezogen zu werden pfleget, Solte aber die Vnvermögenheit bey einem verlebten bestalten Musico so gross seyn, dass er entweder seine Dienst gar nicht oder mit grosser Beschwehr verrichten könte, und des Orts Gottesdienst und andre Auffwartungen gleichwol nothwendig versehen werden müssen, alsdann soll einer Macht haben, als ein Substitut des Verlebten Stelle zu bedienen, iedoch dass der Alte die Helffte der Besoldung und seine Part von dem Verdienst bekomme, und die übrige Tage seines Lebens von dem Substitute oder Adjuncto gebührend respectiret in allen Sachen, wie nicht unbillich, ihm der Fürzug gelassen, der Segen Gottes erwartet und von einem iedwedern wol erwogen und betrachtet werde, dass, was er dem Alter für Gut- und Wolthaten erweise, GOTT der Allerhöchste ihm solches dermaleinsten wieder vergelten und belohnen lassen werde.

Zum Neunzehenden, Vnd weil ein ieglicher Arbeiter seines Lohns werth, niemands auch damit auffzuhalten. So soll ein iedweder, so sich in den Städten und sonsten mit einer bestellten Music gefast halten muss, von sich selbst beflissen seyn, seine Gesellen und Gehülffen richtig zu belohnen, niemanden auch vorher zu licentiren, er habe dann seinen hinterstelligen Verdienst völlig empfangen, widrigen Falls soll keinem anderen Gesellen in die verledigte Stelle und Dienst zu treten verstattet seyn.

Zum Zwantzigsten, Hingegen sollen auch die Gesellen desselben Dienstes, worzu sie sich einmal bestellen lassen, fleissig abwarten, den jungen Lehrknaben mit guten Exempeln und der ihme anständigen Erbarkeit furgehen, insonderheit aber ihren Principalen, bey welchen sie Dienst angenommen, allen gebührenden Respect erweisen, und desswegen ihnen keine praesumption machen, ob sie gleich bedünckte, in der Kunst besser und gründlicher erfahren zu seyn, als der Principal selbsten.

Zum Ein und zwantzigsten. Nach deme auch die Erfahrung bezeuget, dass mancher seinen angenommenen Dienst mit lauter Lehrjungen versehen wollen, dargegen aber einem ieglichen die gesunde Vernunfft selbst dictiret, dass die Tyrones und Lehrknaben, wie in allen andern Sachen, also auch in dieser Musicalischen Kunst kein vollkommenes Stück zu wegen bringen können und da dann entweder bey dem öffentlichen Gottesdienst, oder einiger anderer Versamlung dergleichen Fehler und Mängel fürgehen, hierunter den Directorn solcher Music nicht nur alle Schuld beygemessen, sondern auch der meiste Schimpff auff ihn geweltzet, und die löbliche Kunst selbst nur verächtlich dadurch gemacht wird, so soll keinem Lehrmeister gestattet und nachgelassen seyn, mehr dann drey Knaben auff einmal in seine Information und Lehre auftzunehmen, und darinnen zu behalten.

Zum Zwey und zwantzigsten, Ein ieglicher Lehrknabe soll bey seiner Auffdingung sich verschreiben, oder da er selbst nicht schreiben könte, soll solche Verschreibung an statt seiner durch seine Eltern, Vormunde oder Verwandten schrifftlich geschehen, dass der auffgedingte Lehrknabe die oben beym zwölfften Artickel benimte Lehr-Jahre treulich, vollständig und redlich aushalten, und in währenden Lehr-Jahren von seinem Lehrmeister nicht entlauffen wolle, Solte aber einer so vergessen seyn, und von einem Lehrmeister in währenden Lehr-Jahren ausspringen, der soll von keinem andern Lehrmeister, bey Straffe Zehen Thaler, wieder auffgenommen, noch in diesem unsern Musicalischen Collegio iemals wieder gedultet, sondern als anrichtig gehalten werden. Würde sich aber befinden, dass der Lehrknabe ob nimiam sevitiam seines Lehrmeisters ausgewichen, und also dieser in culpa wäre, auff dem Fall soll der Lehrmeister wegen der Versäumnis und andern zugestandenen Schadens, seinem Lehrknaben oder dessen Eltern und Befreunden nach sechs der nechst angesessenen Musicalischen Seniorn billigem Ermessen dafür gerecht, auch darumb schuldig erkant werden.

Zum Drey und zwantzigsten, Damit auch ob specificirten biss auff der Römischen Kayserlichen auch zu Hungarn und Böheimb Königl. Majestät, unsers allergnädigsten Herrn, allergnädigste Confirmation und Bestättigung unter uns verglichenen Artickeln desto steiffer nachgesetzt, und die diesem Musicalischen Collegio angehörige Sodales sondern weniger Kosten und Beschwer zusammen kommen, und bey solchem Convent nothwendige Sachen austragen können. So sollen drey Laden gefertiget, eine in Meissen, die andere im Braunschweigischen, und die dritte in Pommern oder der Marck Brandenburg, und zwart welcher Ort den Zugethanen unsers Collegii am beqvemsten fallen wird, nieder gesetzet, diese verglichene Artickel und die darob hoffentlich erlangende Kayserl. allergnädigste Confirmation, wo nicht an allen Orten originaliter, dennoch deren auscultirte vidimirte Copeyen davon darein gelegt, und treulich verwahret werden, damit auff erheischenden Fall bey unserer Collegen Versammlung alle actus und Sachen, so etwa zwischen den Musicanten sich zutragen möchten, darnach regulirt und gerichtet werden können.

Zum Vier und zwantzigsten, Vnd ob zwar der jenigen, so sich allbereit zu diesem Musicalischen Collegio bekandt, nicht eine geringe Anzahl, Jedennoch aber soll keinem andern der Zutritt denegirt und verweigert werden, wann er nur nach abgelegter Probe für ein tüchtiges und geschicktes Glied dieser unserer Societät und Gesellschaft wird können erkennet und gehalten werden.

Zum Fünft und zwantzigsten. Wie nun schliesslich böse Sitten und Gebräuche zu heilsamen Satzungen Vrsach und Anlass gegeben, aber nicht möglichen gewesen gegenwertige Artickel also zu extendiren, dass dardurch alle Zufälle specialiter und ausdrücklich wären berühret worden, als soll das übrige der ältesten so die nechsten bey iedes Orts Laden seyn, und welche denselben Kraftt dieses Artikuls-Brieffs adjungiret und zu geordnet, ihren arbitrio derogestalt heimgestellet seyn und bleiben, dass sie in sich zutragenden Vorfallenheiten auff das, was erbar und zulässig ist, auch zu Erhaltung dieses Musicalischen Collegii gereichet, ihr Absehen richten, niemanden über die Gebühr und Billigkeit beschweren, iedoch auch grobe unverantwortliche Excess nicht ungeantet hin passieren lassen sollen, damit diesem unsern Collegio, bevorab aber der allerhöchst gedachter Römischen Kayserl. Majestät, unsers allergnädigsten Herrn, darob ertheilten Confirmation gebührender allerunterthänigster Respect erhalten, und der gute rühmliche Zweck erreichet werde, so von den Vrhebern dieses nützlichen Wercks von Anfang gesetzet und gestecket worden.

 

Verzeichnüss

der jenigen, theils im Ober- theils im Nieder-Sächsischen Kreise gelegenen Städte und Oerter, deren bestellte Musici sich zu den vorher gehenden Artikuln bekennet, auch sich denselben in kunfftigen Zeiten gemäss zu bezeigen, gelobet und versprochen.

Altenburg: Samuel Vlrich, Daniel Hienschel, Hermann Wendt, Moritz Dolch, Cornelius Vlrich

Anneberg: Heinrich Müller, George Hermann, Christoph Richter, Paul Conrad, Heinrich Haller

Brandenburg a. d. Hagel: Thomas Schmidt

Berlin: Paul Nierse, Gottfried Lehemann, David Arsendt

Cölln a. d. Spre: Johann Steinbrecher, Joachim Kertzendorff, Christian Donat, Johann Schatz

Dressden: Johann Läuterding

Doblitz: Peter Fischer, Michael Kellner, Abraham Martin

Dölitzsch: Peter Karyss

Dessau: Martin Frenssdorff

Eylenburg: Johann Jenicke, Johann Kallenbach, Hans Wilhelm Stephan

Eissleben: Joachim Otto

Freyberg: Daniel Vhlich, Christian Vhlich, Heinrich Rode, Christoph Vhlich

Güterbogk: Andreas Grempler

Gera: Hans Caspar Schmidt, Christoph Kreysick

Glaucha: Peter Koch Senior, Peter Koch Junior, Johann Truppe

Hall in Sachsen: Herman Bartholus, George Langefeldt, Gottfried Maume, Wilhelm Keythe, Johannes Jenicke

Kämnitz: George Kempe, Valtin Weisshun, Christoph Heller

Kalbe: Samuel Salbach

Leipzig: Thomas Müller, Zacharias Eidtner, Paul Steinbrecher, Werner Lawe

Leichtenstein: Christian Büttner, Abraham Crusius, Johann Peip

Merseburg: Caspar Hiepe, Nicol Stahr, Samuel Kleine, Paul Hiepe Filius

Mitweida: Daniel Jäger

S. Marienberg: Johann Stahlmann, Christoph Hartwich, Sebastian Wurtzbacher, Heinrich Morgenstern

Naumburg: Daniel Geyer, Johann Metzner Junior, George Bahn, George Hulss, Johannes Zwetz

Oschatz: Georg Knabe

Quedlinburg: Balthasar Steinmann

Schneeberg: Hans Stecknagel, Christian Ernst, Peter Roche

Schwartzenberg: Gottfried Martin, George Schertz, Hans Wilhelm Vierthel, Hans Christoph Vierthel

Stolberg: Johannes Meintzner

Scheubenberg: Gabriel Müller, Caspar Grässler, Paulus Hueffmann

Torgau: Johann Glück

Tzschopa: Christian Richter

Wittenberg: Heinrich Lange

Wurtzen: Martinus Ritter, Johannes Wentzel, Andreas Tipmer

Weissenfels: Paul Becker, Martinus Geyer Junior, Peter Gleitzmann, Georg Förster

Wettin: Johann Köllner

Wolckenstein: George Seyffarth, Nicol Metzner

Zwickau: Caspar Columneser, Christoph Korber, Georg Kühne

Zeitz: Johann Bauer, Johann Heinrich Steinhauser, Andreas Bamberg, Johannes Seidel

Zerbst: George Endtner, Caspar Hoyer

 

Vnd Vns darauff obbemeldte sämptliche Musicanten in denen Ober- und Nieder-Sächsischen Kreissen, und hiebevor specificirten Orten in Vnterthänigkeit angeruffen und gebeten, dass Wir, als regierender Römischer Kayser, obberührte Puncten und Artickel alles ihres Innhalts zu confirmiren, approbiren, ratificiren und bestätigen, gnädiglich geruheten. Das haben Wir angesehen solche gedachter sämptlicher Musicanten in denen Ober- und Nieder-Sächsischen Creissen demüthig zimliche Bitte, auch Ihr, bey Auffrichtung ietztgedachter Artickel zu der Ehre Gottes, gemeinen Nutzen und guter Nachfolge aller Liebhaber der Musica intendirten Zwecks, und darumb mit wohlbedachtem Muth, gutem Rath, und rechtem Wissen solche ob-inserirte Puncten und Artickel, als Römischer Kayser, gnädiglich confirmiret, approbiret, ratificiret und bestätiget. Confirmiren, approbiren, ratificiren und bestätigen Ihnen dieselbe auch hiermit von Römischer Kayserlicher Macht Vollkommenheit, wissentlich, in Krafft dieses Brieffs, was Wir Ihnen von Rechts und Billigkeit wegen daran zu confirmiren, approbiren, ratificiren und zu bestätigen haben, sollen, können und mögen, und meynen, setzen und wollen, dass vorgeschriebene Puncten und Artickel in allen und ieden ihren Worten, Clausuln, Inhaltung, Meynung und Begreiffungen kräfftig und mächtig seyn, stet, vest und unverbrüchlich gehalten werden.

Vnd gebieten darauff allen und ieden Chur-Fürsten, Geistlichen und Weltlichen, . . . Bürgern, Gemeinden, und sonst allen andern unsern und des Reiches Vnterthanen und Getreuen . . und wollen, dass sie vielgemeldte sämptliche Musicanten in den Ober- und Nieder-Sächsischen Creissen an obbestimmten unter Ihnen auffgerichteten Puncten und Artickeln auch dieser unserer Kayserlichen Confirmation nicht hindern noch irren, sondern Sie dabey . . schirmen, und deren geruhiglich gebrauchen, geniessen und gäntzlichen darbey bleiben lassen, hinwieder nicht thun . ., noch das iemandes andern zu thun gestatten . . ., als lieb einem ieden sey Vnsere und des Reichs schwehre Vngnade und Straffe, und darzu eine Pöen, nemlich, Dreissig Marcks Löthiges Goldes, zu vermeyden, die ein ieder, so offt er freventlich hierwieder thäte, Vns halb in Vnsern und des Reichs Cammer, und den andern halben Theil mehr-besagten Musicanten, unnachlässig zu bezahlen verfallen seyn solle . . .

Mit Vrkund dieses brieffs besiegelt mit Vnserm Kayserlichen anhangenden Innsiegel, der gegeben ist in Vnser und des Heiligen Reichs Stadt Regenspurg, den fünff zehenden Monatstag Decembris nach Christi unsers lieben HERRN vnd Seligmachers gnadenreichen Geburt im sechzehenhundert drey vnd fünffzigsten . . . Jahre.

Ferdinandus.

Justus von Gebhard.

Ad Mandatum Sac. Caes. Majestatis proprium

Wilhelm Schröder.

Loc. Sigill.